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Kyrenia — die Stadt unterhalb der Berge
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Kyrenia — die Stadt unterhalb der Berge

6 Min. Lesezeit

Ein hufeisenförmiger Hafen, eine Burg mit einem 2400 Jahre alten Schiffswrack und ein Bergkamm direkt über den Dächern — ein Führer durch die schönste Stadt der Insel.

Wer auf der Straße von Nikosia nach Kyrenia kommt, sieht die Stadt nicht allmählich näher rücken. Die Straße quert einen Sattel im Gebirge, und plötzlich liegt die ganze Küste unten: blaues Meer bis zum Horizont, Flachdächer zwischen Palmen und direkt am Wasser die dunkle Masse der Burg. Kyrenia, türkisch Girne, ist die kleinste der drei großen Städte Nordzyperns — und für die meisten, die die Insel kennen, die schönste.

Ein Hafen in Hufeisenform

Das Herz der Stadt ist der alte Hafen, ein schmales steinernes Hufeisen, das die Byzantiner und nach ihnen die Venezianer so anlegten, dass es die Boote vor dem Nordwind schützt. Heute liegen dort ein paar Fischerboote, Ausflugsschiffe für Tagestouren und die Yachten von Leuten, die auf dem Weg in die Türkei Halt gemacht haben. Die gesamte Innenseite säumen Restaurants in den Erdgeschossen alter Zolllager; über ihren Türen sind noch die steinernen Konsolen zu sehen, an denen einst die Flaschenzüge zum Entladen der Johannisbrotschoten hingen. Von ihnen lebte Kyrenia jahrhundertelang.

Zwei Tageszeiten lohnen sich besonders. Gegen acht Uhr morgens ist der Kai leer, die Fischer reinigen ihre Netze, und das Wasser liegt oft so still, dass sich die ganze Burg darin spiegelt. Und dann die Stunde vor Sonnenuntergang, wenn das Licht seitlich auf die Mauern fällt und das Hufeisen golden wird. Dazwischen, mittags im Juli, ist es heiß und menschenleer.

Die Burg und das älteste Handelsschiff der Welt

Die Ostseite des Hafens schließt die Burg ab. Die erste Befestigung errichteten hier die Byzantiner im 7. Jahrhundert gegen arabische Überfälle, die Lusignans erweiterten sie im Mittelalter, und die Venezianer fügten im 16. Jahrhundert niedrige, schräge Bastionen hinzu — da baute man bereits gegen Kanonen, nicht mehr gegen Pfeile. Man kann die Mauern ringsum ablaufen; von der Südwestecke hat man den besten Blick auf den Hafen, den die Stadt zu bieten hat.

Im Inneren steht jedoch das, wofür Menschen vom anderen Ende der Welt anreisen. In einer klimatisierten Halle liegt das Wrack eines griechischen Handelsschiffs, das um 300 v. Chr. etwa einen Kilometer vor der Küste sank. Taucher entdeckten es 1965, hoben es Stück für Stück und setzten es wieder zusammen. Rund 60 Prozent des Rumpfes sind erhalten — es ist das besterhaltene Handelsschiff der Antike. Mit ihm kam die Ladung ans Licht: mehr als vierhundert Weinamphoren, Mühlsteine als Ballast und Mandeln, die noch in ihren Tonkrügen lagen.

Die Mauern der Burg von Kyrenia über dem Meer
Die Mauern der Burg von Kyrenia — im Inneren liegt ein Schiffswrack aus dem 4. Jahrhundert v. Chr.

Die Gassen über dem Hafen

Hinter der Restaurantzeile steigt die Stadt den Hang hinauf, und die Straßen verengen sich auf die Breite eines Autos. Es ist ein Viertel aus osmanischer und britischer Zeit: Häuser mit Innenhöfen, Holzläden vor den Fenstern, hier und da ein Minarett oder ein ehemaliges Kirchenschiff, das zur Moschee wurde. Es gibt Gewürzläden, einen Barbier, zwei, drei kleine Hotels in umgebauten Bürgerhäusern. Ein Freilichtmuseum ist das nicht — hier wird gewohnt.

Etwas weiter vom Meer ist Kyrenia eine ganz normale Arbeitsstadt: Banken, Bäckereien, ein Obst- und Gemüsemarkt, Studenten. Anders als in den Ferienorten an der Ostküste hört das Leben hier auch im Januar nicht auf. Die Winter sind mild, tagsüber um die fünfzehn Grad, und die meisten Lokale am Hafen bleiben ganzjährig geöffnet.

Berge direkt über den Dächern

Im Rücken der Stadt liegt das Beşparmak-Gebirge, griechisch Pentadaktylos — beides bedeutet „fünf Finger“, nach einem Felskamm, der von Osten betrachtet tatsächlich wie eine Hand aussieht. Der Kalksteinriegel ist nur wenige Kilometer breit, aber steil: von der Küstenebene steigt er auf über tausend Meter. Das heißt: zwanzig Minuten aus der Stadt hinaus, und man fährt eine Bergstraße zwischen Kiefern, mit Blick nach zwei Seiten zugleich — im Norden das Meer, im Süden die Ebene von Nikosia.

Oben verlaufen markierte Wanderwege, und dort steht die Burg St. Hilarion, an deren Tor man fast heranfahren kann. Auch die Abtei Bellapais ist nicht weit — sie hat ihre eigene Geschichte, über die wir im Artikel zur Geschichte der Insel geschrieben haben.

Strände im Westen und im Osten

In der Stadt selbst wird nicht gebadet, die Küste ist hier felsig und bebaut. Die Strände beginnen kurz hinter dem Ortsrand, auf beiden Seiten. Im Westen, Richtung Alsancak und Karaoğlanoğlu, reiht sich eine Kette kleinerer, kostenpflichtiger Strände mit Liegen und Bars; der Grund ist meist sandig mit Felsstufen, die Fahrt dauert zehn bis zwanzig Minuten. Im Osten, hinter dem Yachthafen und weiter Richtung Çatalköy und Esentepe, wird die Küste wilder, die Strände länger und leerer. Etwa eine halbe Stunde östlich liegt Alagadi, ein Schutzgebiet, in dem im Sommer Meeresschildkröten schlüpfen.

Praktische Hinweise

Vom Flughafen Ercan sind es mit dem Auto rund 40 Minuten nach Kyrenia, über die Umgehung von Nikosia. Nikosia selbst erreicht man in knapp einer halben Stunde, Famagusta in etwa einer Stunde.

In den alten Hafen kommt man mit dem Auto nicht hinein, und das ist gut so. Parken Sie auf dem kostenpflichtigen Parkplatz an der Burg oder entlang der Küstenstraße oberhalb der Altstadt und gehen Sie den Rest zu Fuß — von überall sind es fünf Minuten. An Sommerabenden und an Wochenenden füllen sich die Parkplätze, kommen Sie also früher. Am schönsten ist es Ende April und im Oktober: das Meer ist noch warm, die Hänge sind grün, und im Hafen bekommt man ohne Warten einen Tisch.

Wenn Ihnen Kyrenia auch als Wohnort gefällt, zeigen wir Ihnen gern, was in der Stadt und in den Dörfern unterhalb der Berge gerade angeboten wird — melden Sie sich bei uns bei CyprusGlobal.

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