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Anreise nach Nordzypern – und wie Sie sich auf der Insel bewegen
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Anreise nach Nordzypern – und wie Sie sich auf der Insel bewegen

6 Min. Lesezeit

Zwei Flughäfen, eine Fähre und Linksverkehr. Ein praktischer Leitfaden für die Anreise nach Kyrenia oder Famagusta – und was Sie vorher regeln sollten.

Es gibt keinen einzig richtigen Weg nach Nordzypern. Es gibt zwei – und der Unterschied liegt nicht nur in der Flugdauer, sondern darin, wie Ihr erster Tag auf der Insel aussieht. Der eine setzt Sie zwanzig Minuten von Nikosia entfernt ab, der andere führt Sie über jene Grenze, die noch immer die letzte geteilte Hauptstadt Europas trennt.

Ercan (ECN): am nächsten, aber immer mit Umsteigen

Der Flughafen Ercan liegt rund 15 Kilometer östlich von Nikosia und ist das wichtigste Luftfahrttor des Nordens. Einen Haken hat er: Direkt aus Europa kommt man nicht hin. Jeder Flug muss technisch in der Türkei zwischenlanden, umgestiegen wird also in Istanbul (sowohl IST als auch Sabiha Gökçen) oder in Antalya. Der Umstieg ist meist kurz, das Gepäck wird in der Regel bis Ercan durchgecheckt – rechnen Sie dennoch mit sechs bis neun Stunden Gesamtreisezeit samt Wartezeit.

Die Belohnung: Wenn Sie landen, sind Sie tatsächlich am Ziel. Das neue Terminal ist modern, die Passkontrolle dauert wenige Minuten, und auf Wunsch kommt der Stempel auf einen separaten Zettel statt in den Pass. Nach Kyrenia fährt man etwa 40 Minuten, nach Famagusta rund eine Stunde, nach Iskele eine gute Stunde.

Larnaka (LCA): Direktflug und Grenzübergang

Die zweite Route führt über den Süden. Billig- wie Linienfluggesellschaften fliegen Larnaka direkt aus Dutzenden europäischen Städten an, oft in der halben Zeit. Vom Flughafen geht es dann auf der Straße weiter nach Norden, die Grenze passieren Sie an einem der Übergänge – mit dem Auto meist bei Metehan (Agios Dometios) am Rand von Nikosia, zu Fuß über die Ledra Street in der Altstadt.

Der Grenzübergang Ledra Street in der Altstadt von Nikosia
Ledra Street in Nikosia – der Fußgängerübergang zwischen Süd und Nord ist in wenigen Minuten passiert.

Der Transfer von Larnaka nach Kyrenia dauert bei fließendem Verkehr anderthalb Stunden, im Berufsverkehr eher zwei. Die Kontrolle selbst ist Routine: Pass zeigen, Einreisezettel entgegennehmen, weiterfahren. Die Übergänge für Autos sind rund um die Uhr geöffnet, die Ledra Street ist Fußgängern vorbehalten. Wer mit Koffern anreist, sollte den Transfer vorab buchen – Taxifahrer aus dem Süden lehnen Fahrten in den Norden häufig ab.

Die Fähre von Taşucu nach Famagusta

Der dritte Weg ist langsamer, manchmal aber der praktischste – vor allem, wenn Sie Möbel transportieren, mit Hund reisen oder das eigene Auto mitbringen wollen. Vom türkischen Hafen Taşucu bei Silifke verkehrt eine Fähre nach Famagusta; die Überfahrt dauert je nach Schiff und Wetter etwa sechs bis acht Stunden, Autos werden ganz selbstverständlich verladen. Für einen Wochenurlaub ist das ein unnötiger Umweg, für einen Umzug lohnt sich der Gedanke.

Linksverkehr

Das britische Erbe ist auf der Insel bis heute spürbar – am deutlichsten hinter dem Lenkrad. Gefahren wird links, die Autos sind rechtsgesteuert, und Kreisverkehre drehen sich andersherum, als Sie es gewohnt sind. Die erste Stunde fühlt sich falsch an, die zweite nicht mehr. Tückisch sind die Momente ohne Verkehr: die leere Straße am frühen Morgen, die Ausfahrt vom Parkplatz, das Abbiegen in eine Seitenstraße. Genau dann meldet sich die alte Gewohnheit zurück.

Die Hauptverbindungen zwischen den Städten sind in gutem Zustand, zwei- bis vierspurig und türkisch wie englisch ausgeschildert. Anders sieht es auf den Nebenstraßen der Karpaz-Halbinsel und im Kyrenia-Gebirge aus, wo Asphalt ohne Vorwarnung in Schotter übergehen kann. Entfernungen und Tempolimits gelten in Kilometern, auch wenn auf einigen alten Schildern noch Meilen stehen.

Mietwagen, Versicherung und Papiere

Ohne Auto lebt es sich im Norden schwer – der öffentliche Verkehr bringt Sie weder an den Strand von Alagadi noch hinauf zur Burg Kantara. Für die Anmietung genügt ein normaler EU-Führerschein. Der internationale Führerschein ist nicht Pflicht, doch manche Vermieter wollen ihn sehen, und bei einem Unfall erleichtert er die Abwicklung erheblich – besorgen Sie ihn also lieber vor der Reise. Fahrer sollten in der Regel mindestens 21 bis 25 Jahre alt sein und den Führerschein seit einem Jahr besitzen.

Und ein Detail, an dem die meisten Reisen scheitern: Die Versicherung gilt nicht über die Grenze hinweg. Ein im Süden gemietetes Auto hat im Norden keinen Schutz – und umgekehrt. Die kurzfristige Deckung kaufen Sie deshalb direkt am Übergang, am Schalter gleich neben der Schranke, bar und in wenigen Minuten. Prüfen Sie schon vor der Buchung, ob Ihr Mietvertrag das Überqueren der Grenze überhaupt erlaubt – ein Teil der Anbieter im Süden verbietet es.

Taxis, Dolmuş und Entfernungen

Wer nicht selbst fahren will, kommt auch anders zurecht. Dolmuş – Sammelminibusse – verbinden die größeren Städte, fahren häufig und günstig, aber ohne festen Fahrplan: Sie starten, wenn sie voll sind. Am stärksten befahren ist die Strecke Kyrenia–Nikosia. Taxis haben keine Taxameter, der Preis wird vor der Fahrt vereinbart; am Flughafen und über Hotels gelten Festtarife.

Die Entfernungen sind glücklicherweise klein. Von Kyrenia nach Nikosia sind es 25 Kilometer, von Nikosia nach Famagusta 55, von Kyrenia nach Iskele etwa 70 und bis zur äußersten Spitze der Karpaz-Halbinsel bei Apostolos Andreas rund 170. Den gesamten Norden durchqueren Sie mit dem Auto in knapp drei Stunden.

Was Sie vor dem Abflug regeln sollten

Einen mindestens sechs Monate gültigen Reisepass, eine bestätigte Unterkunftsbuchung, eine für die Türkei freigeschaltete Bankkarte und etwas Bargeld in Lira für den ersten Tag. Lesen Sie Ihre Reiseversicherung genau: Nicht jede europäische Police deckt den Norden der Insel ab, und die europäische Krankenversicherungskarte gilt hier nicht. Wer mit Kindern oder viel Gepäck reist, spart sich mit dem Direktflug nach Ercan viel Mühe – auch wenn die Uhr eine längere Reisezeit anzeigt.

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